Lord of the Chicks

Der Herr der Hühner und die Nordstormarner Seenplatte

Der Reinfelder Bote sprach mit Lars-Christian Wichmann vom Travenhof, dem Herrn der Hühner über seine Idee mit den mobilen Hühnerställen von „Travenei“ und die Probleme mit den dauerhaft überschwemmten landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Travenhof

Lars-Christian Wichmann hat in Kiel Landwirtschaft studiert und 2016 den elterlichen Hof übernommen, der seit 1972 in Familienbesitz ist. Übrigens ist der Travenhof nicht der alte Fährhof an der Trave nach Benstaben, wie viele vermuten. Der Travenhof war ein Vorwerk der Gemarkung Steinhof, die später mit Reinfeld zur gleichnamigen Stadt zusammengelegt wurde. Familie Wichmann stammt ursprünglich aus Klein Barnitz, das ein Stück traveabwärts liegt.

Travenei

Neben Ackerbau und Schweinehaltung wollte Lars-Christian Wichmann schon seit längerem als drittes Standbein Hühner in einem Freilandstall halten.

Allerdings birgt ein fester Hühnerstall einige Probleme. Die Tiere würden das Gras in kürzester Zeit zu Morast umwandeln, die Belastung des Grundwassers wäre ungleich höher und Krankheiten wären eher zu befürchten, da eventuelle Keime im Boden bleiben könnten.

Diese Probleme lassen sich mit mobilen Hühnerställen vermeiden. Darüber hinaus haben sie den charmanten Vorteil bei Hochwasser an der Trave schnell verlegt werden zu können. Die Hühner leben mit ihren bis zu sechs Hähnen in Gruppen und genießen den Auslauf, das jeweils frische Grün und die Abwechslung.

Wichmann veräußert die Traveneier seiner Hühner aus Freilandhaltung nicht an Discounter sondern vermarktet sie als regionaler Anbieter selber und in Einzelhandelsgeschäften der näheren Umgebung.

Aus überschüssigen S-Eiern werden leckere Eiernudeln gemacht. Nach einiger Zeit, wenn die Hühner älter werden, wird ihre Eierschale immer dünner und die Eier können nicht mehr verkauft werden. Dann werden die Hühner geschlachtet und als Suppenhühner direkt ab Hof verkauft.

Travenhof in den Sozialen Medien

Die Präsentation in den Sozialen Medien gewinnt immer mehr an Bedeutung. Auf Facebook und Instagram kann Wichmann schneller über aktuelle Situationen berichten und seinen Betrieb kundenfreundlich darstellen. Hintergrundinformationen bspw. über die letztjährige Stallpflicht oder Mitteilungen darüber, dass es wieder Suppenhühner gibt sind in diesen Medien schneller und kostengünstiger zu publizieren als in den klassischen Printmedien. Außerdem kann er durch die Reaktionen in den Kommentaren die Stimmung und die Bedürfnisse seiner Kunden unmittelbarer erfassen. Beispielsweise die Verunsicherung der Kunden bezüglich des Unterschiedes von Freiland zu Bodenhaltung während der Stallpflicht.

Stallpflicht in mobilen Hühnerställen

Da die mobilen Hühnerställe unmittelbar am Traveufer stehen, war die Stallpflicht eine unbequeme aber sinnvolle Maßnahme zum Schutz der Hühner, so Wichmann. Der Jungbauer empfindet die damalige Verordnung nicht als Panikmache, sondern als konsequente Maßnahme zum Schutz des Tierbestandes. Hühner sind aufgrund ihres geringen Gewichtes und damit verbundenen geringeren Abwehrkräften anfälliger für Krankheiten als Gänse oder Wasservögel, die Krankheiten übertragen können ohne selber zu erkranken.

Was machen die Hühner aber monatelang in ihren Ställen? Sie haben in ihrem Scharraum ein Spielparadies und besondere Leckereien zum Knabbern bekommen.

Der Hühnerhalter hatte in der Zeit jedoch Mehrkosten, bspw. für Futtermöhren und Aufkleber „aus Bodenhaltung“ für die Eierkartons. Mindereinnahmen durch die Umetikettierung blieben ebenfalls nicht aus. Auch wenn die Kosten konstant blieben, konnten Eier aus Bodenhaltung nicht zum gleichen Preis wie Eier aus Freilandhaltung verkauft werden. Eine versprochene Entschädigung des Landes steht noch aus.

Ich wollt, ich wär ein Huhn…

Die Hühner leben in großzügig bemessenen mobilen Hühnerställen. Ihre Eier sind keine Bio-Eier, da sie mit konventionellem Getreide gefüttert werden. Lars-Christian Wichmann ist es wichtiger, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und dass er ein transparentes Produkt anbieten kann. Der Kunde sieht, woher sein Frühstücksei stammt.

Die Hühner bekommen Körnerfutter von einem Hamburger Mischfutterwerk. Das Getreide, das der Travenhof selber anbaut wäre zu schade zum Verfüttern, da es sich um hochwertiges Brotgetreide handelt.

Zum Eierlegen haben die Damen Séparées in ihren Hühnermobilen mit wohligem Dinkelspelz als Unterlage. In der Regel legen die Hennen ihre Eier am frühen Vormittag und haben nach getaner Arbeit von 10.00 Uhr bis zur Dämmerung Ausgang – wenn sie wollen.

Hoftrio

Drei landwirtschaftliche Betriebe aus der Region haben sich zum Hoftrio zusammengeschlossen. Alle sind Direktvermarkter und vertreiben als Multiplikatoren auch die Produkte der Kollegen. Es sind neben Familie Wichmann mit Travenei, Familie Rienhoff aus Benstaben mit ihren Fleischspezialitäten und ihrem 7/24 Verkaufsautomaten, sowie der Milchviehbetrieb von Familie Hinsch, der Seefelder Landmilch. Eier, Milch und Fleisch von Direktvermarktern aus der Region.

Die Nordstormarner Seenplatte

Nicht nur entlang der Trave stehen die landwirtschaftlichen Nutzflächen seit Monaten unter Wasser. Die Altbauern berichten, dass es das nasseste Jahr seit Generationen gewesen sei. Die Ernte konnte nicht rechtzeitig eingebracht, die Äcker nicht zeitgerecht bearbeitet werden. Drainagen helfen bei den wassergesättigten Flusssandböden entlang der Trave auch nicht. Über Kalauer wie Reisanbau und Algenzucht kann inzwischen niemand mehr lachen.

Auch wenn die moderne Landwirtschaft über eine viertausendjährige Erfahrung und enorme maschinelle Schlagkraft verfügt, um Wetterkapriolen möglichst schnell und effektiv kompensieren zu können, erwartet Lars-Christian Wichmann dieses Jahr eine schlechtere Ernte. Denn ob nach der Zwischenfrucht noch rechtzeitig Sommergetreide in den Boden kommen kann, werden erst die nächsten Wochen zeigen.

Den Hühnern indes, ist das Wetter egal. Sie werden von ihrem Hühnerhirten rechtzeitig auf trockenere Bereiche umgesiedelt, mit frischem Grün und neuem Auslauf.

Fotos:
Udo Reichle-Röber, Reinfelder Bote und
Lars-Christian Wichmann, Travenhof

Weiterführende Informationen:
https://www.facebook.com/Travenhof/
https://www.facebook.com/Hoftrio/

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