Die Retter der Tafelrunde

Jeden Donnerstag, von 11:30 bis 14:00 Uhr bekämpfen sie das Unrecht, schützen die Armen, Witwen und Waisen, geben den Hungernden ihr Brot und teilen das wenige, das sie haben – die Retter der Tafelrunde.

Doch hier geht es nicht um König Artus und seine Ritter aus Camelot, sondern um Gerald und seine Retter aus Reinfeld, die ehrenamtlichen Recken der Reinfelder Tafel…

Deutschland ist ein reiches Land, Reinfeld eine wohlhabende Stadt zwischen den Hansestädten Hamburg und Lübeck. Wieso gibt es hier eigentlich eine Tafel, die kostenlos Lebensmittel an Bedürftige verteilt?

Menschen, die ihren Lebensunterhalt von Sozialhilfe, Hartz IV, Wohngeld, Asylbewerberleistungen oder zu geringer Rente bestreiten müssen, sind minimal versorgt. Es bleibt nichts über, um sich gelegentlich mal etwas gönnen zu können. Die Grundversorgung ist kaum ausreichend.

Vor neunzehn Jahren wurde die Reinfelder Tafel gegründet. Was war für den Gründer Lutz Dammin damals der Anlass?

Durch seine ehrenamtliche Tätigkeit in der evangelischen Kirchengemeinde hatte Lutz vermehrt Kontakt zu bedürftigen Mitbürgern und sah nach den erfolgreichen Tafelgründungen in jener Zeit, eine sinnvolle Chance für Reinfeld und Nordstormarn.

Ist die Reinfelder Tafel schon immer unter dem Dach der Kirche?

Ja, Träger der Tafel ist die Evangelisch lutherische Kirchengemeinde Reinfeld, unterstützt von den Kirchengemeinden Zarpen und Klein Wesenberg sowie der Stadt Reinfeld und dem Amt Nordstormarn.

Derzeit versorgt ihr 140 Haushalte mit 310 Personen.Wie verteilt sich die Zielgruppe und hattet ihr schon mal mehr zu tun?

Aktuell versorgen wir 35 Rentner, 160 Erwachsene und 110 Kinder.
Zwei Drittel unserer Kunden kommen aus Reinfeld, ein Drittel aus den Gemeinden des Amtes Nordstormarn.
Rund 60% sind Flüchtlinge, 40% Einheimische.
Anfang 2016 war der Höhepunkt an Kundenzahlen. Wir hatten rund 190 Haushalte mit etwa 380 Personen zu versorgen. Das logistisch zu bewerkstelligen, war nicht einfach.

Ihr seid etwa 60 ehrenamtliche Helfer. Welche Aufgaben habt ihr?

Wir haben mehrere Teams, die sich im Schichtwechsel um die Beschaffung, die Sortierung und die Ausgabe kümmern. Seit dem wir aus dem Keller des Kindergartens in unsere neuen Räume des ehemaligen Fahrradgeschäftes umgezogen sind und die Besorgungsfahrten nicht mehr mit Privat-PkWs, sondern mit unserem Kühltransporter erledigen können, ist die Arbeit zwar nicht weniger geworden, lässt sich aber viel besser organisieren und zum Wohle unserer Kunden durchführen.

Woher kommen die Lebensmittel?

Wir holen die Lebensmittel von Supermärkten, Discountern, Bäckereien, Einzel- und Großhändlern aus Reinfeld und Umgebung. Es handelt sich um Lebensmittel die nicht mehr verkauft werden können. Damit bewahren wir die wertvollen Lebensmittel davor, weggeworfen zu werden obwohl sie noch gut sind.

Von Restaurants und Kantinen können wir aber nichts annehmen, weil wir weder offene noch zubereitete Ware anbieten dürfen. Reste, die übriggeblieben sind, werden an einen Landwirt zum Kompostieren abgegeben.  Außerdem tauschen wir überschüssige Einzelmengen mit unseren Partnertafeln aus Oldesloe, Segeberg, Ahrensburg und Ratzeburg, mit denen wir eng zusammenarbeiten.

Und wer bezahlt das Ganze?

Anschaffungen wie das Kühlmobil oder der Kühlraum wurden durch Sponsoren, wie dem Bundesverband der Tafeln, der Lidl-Stiftung, der Sparkassenstiftung, der NDR-Stiftung und privaten Spendern finanziert. Miete und Nebenkosten, Betriebs-, Wartungs- und Instandsetzungskosten tragen die Kirchen, Kommunen und private Sponsoren.

Wenn ich als Kunde zu Euch komme, wie ist da ein typischer Ablauf?

Du meldest dich an, belegst mit einem Bescheid deine Bedürftigkeit und bezahlst monatlich 4 € Gebühr. Dann bekommst du eine Teilnehmernummer und kannst Donnerstags von 11:30 Uhr bis 13:00 Uhr in der Joachim-Mähl-Str. 1 Lebensmittel abholen.

Damit jeder mal die Chance hat als erstes auswählen zu dürfen, wechselt jede Woche die Teilnehmernummer, die zuerst aufgerufen wird. Man kann dann auch ungefähr planen, wann man nächste Woche zur Tafel kommt, um zu lange Wartezeiten zu vermeiden.

Berufstätige und Schüler können nach Anmeldung auch Dienstags von 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr ihre gepackte Ware abholen. Versehrte Bürger werden nötigenfalls auch beliefert.

Kunden, die als Helfer bei uns aktiv sind, brauchen keine Gebühr zu entrichten und können eine halbe Stunde vorher aussuchen, was sie benötigen. Wir suchen übrigens noch fleißige Hände…

Ehrenamtliche Helfer/innen melden sich bei Gerald Witzmann
unter reinfeldertafel@googlemail.com
oder telefonisch unter 04533 – 79 28 12

Spendenkonto bei der Kirchengemeinde Reinfeld:
DE 19 2135 2240 0114 8795 31
Verwendungszweck: 2100.01.02200 Reinfelder Tafel

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