Mediathek Reinfeld gibt auf

Das Ende eines Lebenswerkes

Seit 25 Jahren berät Sven Kließ die Reinfelder und Nordstormarner in seiner Mediathek am Rathaus über Filme und Spiele, die seinen Kunden gefallen, da er seine Kunden und deren Vorlieben genau kennt.

Nun hat auch ihm das Internet mit seinen Angeboten das Geschäft ruiniert und Sven muss die Mediathek – die mal als Videothek mit VHS-Cassetten begonnen hat – schließen.

Bis Ende September muss er seinen gesamten Lagerbestand aufgelöst haben. Deshalb verkauft Mediathekbesitzer Sven Kließ Filme auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray, sowie eine große Auswahl an Spielen (Wii, Wii U, XBOX One, PS4) zu günstigen Preisen.

Info: https://www.mediathek-reinfeld.de/

Interview mit Sven Kließ von der Mediathek Reinfeld:
Sven Kließ, Jahrgang 1967, hat 1992 bei der damaligen M+H Videothek als Angestellter begonnen und 2003 die Videothek von ihrem Vorbesitzter als selbständiger Unternehmer übernommen.

Reinfelder Bote (RB): Was hat dich veranlasst, die Videothek, in der du elf Jahre gearbeitet hast, von deinem ehemaligen Chef zu übernehmen?

Sven Kließ (SK): Die Faszination des Mediums Film, der Umgang mit den Kunden und die Möglichkeiten individueller Beratung – das hat mich einfach nicht losgelassen. Das war eine Nachfolge aus Berufung.

RB: Wie ging es dann weiter?

SK: Nachdem ich mich 2003 selbständig gemacht hatte – damals noch in der Raiffeisenpassage, habe ich das Kerngeschäft von VHS-Videocassetten auf DVDs umgestellt. Die waren damals groß im Kommen, Videocassetten verloren an Bedeutung und das Internet hatte mit seinen langsamen Übertragungsraten noch nicht den Stellenwert, den es heute hat. Ich habe damals gleich 400 DVDs für meine Kunden ins Sortiment genommen, die auch sehr gut angenommen wurden.

RB: Wurde dir vorgeschrieben welche Filme du in welchen Mengen abzunehmen hattest?

SK: Nein. Ich habe die Auswahl immer selber getroffen. Ich kannte ja die Vorlieben meiner Kunden.

RB: Deine Kunden sind ja im Prinzip alle Stammkunden. Aber wieviele Kunden kommen regelmäßig und nicht nur sporadisch, so wie ich…?

SK: Inszwischen sind es nur noch etwa 20 – 30 Stammkunden, die mehrmals pro Woche oder regelmäßig jede Woche kommen. Die meisten kommen nur gelegentlich in die Mediathek.

RB: Du hast den technischen Entwicklungen ja stets Rechnung getragen. Blu-Rays, 3D-Blu-Rays, Spiele und sogar Spielekonsolen konnte man bei dir zeitnah für günstiges Geld mieten. Hat dieses Angebot dein Geschäft bedeutsam vorangebracht?

SK: Nicht in dem von mir erhofften Maße. Aber es war ein gutes ergänzendes Angebot. Hauptgeschäft blieb der DVD-Verleih. DVDs werden bis heute im Verhältnis 70:30 gegenüber Blu-Rays ausgeliehen.

RB: Ursprünglich war die Videothek – später von dir in Mediathek umbenannt – in der Raiffeisenpassage. 2006 bist du mit dem Geschäft hier in die Paul-von-Schoenaich-Str. 18 in die Nähe des Rathauses gezogen. Als der Verleih noch gut lief, hattest du auch mehrere Mitarbeiter. Seit wann spürst du die Konkurrenz des Internets?

SK: Deutlich seit 2015. Im letzten Jahr wurde die Situation schon kritisch, dieses Jahr ist sie prekär. Nicht nur die offiziellen und legalen Online-Angebote übers Internet setzen mir zu, auch die vielen Raupkopien und illegalen Möglichkeiten Filme anzusehen haben meine Existenz zerstört.

RB: Wie geht es jetzt für dich weiter?

SK: Das weiß ich noch nicht, die Zukunft ist ungewiss. Es ist ein verdammt schwerer Abschied. Von meinem Lebenswerk. Von meinem Geschäft. Von meinen Kunden. Ich habe den Filmverleih immer von Herzen betrieben, das ist kein Job zum reichwerden. Ich werde die Mediathek sehr vermissen.

RB: Wir auch. Wir werden dich, deine Freundlichkeit, dein Fachwissen und die Mediathek Reinfeld schmerzlich vermissen. Kein Algorithmus wird dich und deine Empfehlungen ersetzen können. Apropos Empfehlungen: Welches sind eigentlich deine drei Lieblingsfilme?

SK: Mein Lieblingsfilm ist „Es war einmal in Amerika“, gefolgt von „Braveheart“ und dem ersten Teil von „Jurassic Park“. Von den aktuellen Filmen gefällt mir „Plötzlich Papa“ sehr gut.

RB: Und welche drei Filme waren die Blockbuster des Video-/DVD-Verleihs?

SK: Ganz klar „Game of Thrones“, so gut wie immer ausgeliehen und auch als erstes verkauft. Dann „Titanic“. Den Film hatten wir elfmal im Sortiment und er war immer innerhalb von einer knappen Stunde komplett verliehen. Aus den Anfängen war „Rambo“ der Verleihschlager.

RB: Sven wir danken dir für dieses Interview und wünschen dir alles Gute!

SK: Gern geschehen. Ich möchte mich bei all meinen Stammkunden herzlich für ihre Treue bedanken! Es war eine sehr schöne Zeit mit euch und der Mediathek Reinfeld!

Das Interview führte Udo Reichle-Röber

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